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Fan verfasst Klub-Chronik: „Einmal Hai, immer Hai“

Köln | Das dürfte ein Muss für jeden Kölner Haie-Fan sein!

„Die Idee entstand aus meiner eigenen Verbundenheit mit den Kölner Haien. Ich wollte ihre Geschichte festhalten: die großen Spiele, die Meisterschaften und die Spieler, die uns bis heute in Erinnerung geblieben sind“, erklärt Ralf Wolfgang Arthur Werlich gegenüber Koelnundmehr.

Der Vollblut-Anhänger hat mit viel Akribie und Herzblut ein Werk über seinen Lieblingsverein verfasst, das am 24. Oktober erscheinen soll.

„Während der Arbeit wurde mir aber immer deutlicher, dass diese Geschichte weit über das Eis hinausgeht. In Gesprächen, alten Fotos und persönlichen Erinnerungsstücken steckt etwas, das keine Tabelle erzählen kann: Freundschaften, gemeinsame Erlebnisse und eine Verbindung zum Verein, die oft über Generationen weitergegeben wird“, so Werlich.

„Genau das ist meine Motivation. Ich möchte Erinnerungen bewahren und den Menschen ein Stück ihrer eigenen Haie-Geschichte zurückgeben. Langjährige Fans sollen beim Lesen denken: „Ja, daran erinnere ich mich!“

Leseprobe zum Mythos Lentstraße

Und jüngere Fans sollen entdecken können, woher dieses besondere Gefühl kommt. Die Geschichte eines Kölner Sportvereins, der es verdient hat, dass sie erzählt wird.“

Der Autor sagt weiter: „Das Buch ist deshalb für mich mehr als eine Chronik. Es ist meine Liebeserklärung an die Haie und an die Menschen, die aus einer Mannschaft ein Stück Heimat gemacht haben.“

Neugierig? Hier kommt exklusiv eine erste Leseprobe. . .

Kapitel 2
Die alte Lentstraße

Die Lentstraße war nie nur ein Stadion

Wer heute zum ersten Mal ein Spiel der Kölner Haie besucht, erlebt Lichtshows, Videowände und eine Arena, die schon Minuten vor dem Eröffnungsbully unter Strom steht. Alles wirkt groß. Laut. Professionell.

Doch die eigentliche Seele dieses Vereins entstand an einem Ort, der mit moderner Hochglanzatmosphäre kaum etwas gemeinsam hatte.

Die alte Lentstraße war keine Arena, die Eindruck machen wollte. Sie war eng. Roh. Laut. Manchmal unbequem. Genau deshalb wurde sie zu etwas, das viele bis heute nicht vergessen haben.

Wer dort Eishockey erlebt hat, spricht selten zuerst über Ergebnisse. Es geht um Erinnerungen. Um dieses Gefühl, das einen schon beim Betreten der Halle packte. Die kalte Luft. Der Geruch nach Bier und Zigarettenrauch. Das dumpfe Echo der Schläge gegen die Bande. Das Kratzen der Kufen auf dem Eis. Nichts wirkte perfekt. Aber genau das machte diesen Ort echt.

Die Zuschauer waren damals nicht einfach nur Publikum. Sie waren Teil des Spiels. Wer unten an der Bande stand, hörte jeden Zuruf, jeden Fluch und jeden Aufprall. Manchmal schien es, als würden Spieler und Fans nur durch wenige Zentimeter Plexiglas voneinander getrennt sein. Distanz gab es in der Lentstraße nicht.

Männer wie Günter Peters, Wim Hospelt, Detlef Langemann oder Helmut Berger waren damals weit mehr als nur Spieler des jungen KEC. Sie gehörten zu jener ersten Generation, die half, aus einer Idee überhaupt erst einen Verein entstehen zu lassen. In der Lentstraße ging es nicht um große Namen oder perfekte

Bedingungen. Es ging darum, Köln auf der deutschen Eishockeykarte sichtbar zu machen.
Peters trieb an, organisierte und führte.
Hospelt stand für jene kompromisslose Art, die später typisch für die Haie werden sollte. Langemann gehörte zu den Gesichtern des frühen Aufschwungs, während

Berger eine Zeit verkörperte, in der niemand ahnen konnte, was aus diesem Club einmal werden würde. Sie spielten nicht in einer Hochglanzwelt. Sie spielten in einer kalten Halle vor Menschen, die jede Sekunde lebten — und genau dort begann etwas, das Jahrzehnte später längst zu einem Mythos geworden war.

Vielleicht begann genau dort diese besondere Verbindung zwischen Verein und Stadt.

Die Menschen kamen nicht ins Stadion, um konsumiert zu werden. Sie kamen, um dabei zu sein. Um mitzugehen. Um sich mitreißen zu lassen. Die Halle lebte von Emotionen, nicht von Inszenierung. Wenn Köln führte, vibrierte die Lentstraße. Wenn es hitzig wurde, spürte man die Spannung bis hoch auf die letzten Plätze.

Und hitzig wurde es oft.

Eishockey war damals härter, ungefilterter und manchmal völlig unberechenbar. Es wurde geschoben, provoziert und diskutiert. Spieler wurden gefeiert und wenige Minuten später gnadenlos ausgepfiffen. Genau diese Mischung machte die Atmosphäre so intensiv. In der Lentstraße ging es nie nur um Sport. Es ging um Stolz. Um Revier. Um Identifikation.

Viele ältere Fans sagen heute noch, dass man Eishockey dort anders gespürt hat als später in den großen Arenen. Näher. Direkter. Ehrlicher.

Vielleicht verklärt die Erinnerung manches. Vielleicht gehört genau das aber auch zur Geschichte der Haie. Denn die Lentstraße war mehr als nur eine Spielstätte. Sie war der Ort, an dem dieser Verein seine Identität entwickelte. Hier entstanden die ersten echten Fanrituale. Hier wurden Spieler zu Gesichtern einer wachsenden Bewegung. Und hier lernte Köln, dass Eishockey eine Stadt verändern kann.

Autor Werlich in der LANXESS arena.

Mit den Jahren wurde die Halle fast zu einem Mythos. Gegner sprachen ungern über Auswärtsspiele dort. Nicht nur wegen der Mannschaft auf dem Eis. Sondern wegen der Atmosphäre drumherum. Die Zuschauer konnten laut sein, emotional und manchmal einschüchternd. Wer in der Lentstraße spielte, wusste sofort, dass hier andere Regeln galten.

Natürlich war nicht alles romantisch.

Die Halle war alt. Eng. Teilweise chaotisch. Komfort spielte keine große Rolle. Im Winter kroch die Kälte durch jede Reihe. Trotzdem zog es die Menschen immer wieder dorthin zurück. Vielleicht gerade deshalb. Weil die Lentstraße nie versucht hat, perfekt zu sein.

Sie war echt.

Und genau dieses Gefühl tragen viele Fans bis heute in sich.

Wenn ehemalige Spieler über ihre ersten Spiele in Köln sprechen, fällt oft irgendwann der Blick zurück zur Lentstraße. Nicht selten verändert sich dabei sogar der Tonfall. Aus Geschichten werden Erinnerungen. Aus Erinnerungen fast schon kleine Zeitreisen.

Denn dort begann etwas, was später viel größer werden sollte.

Dort entstand dieses schwer erklärbare Gefühl, das Generationen von Fans bis heute begleitet. Dieses Gefühl, dass ein Abend beim Eishockey manchmal mehr sein kann als nur ein Spiel.

Die Lentstraße war der Ort, an dem aus einem jungen Verein langsam ein Mythos wurde.

Und vielleicht ist genau das der Grund, warum sie bis heute einen Platz in den Herzen vieler Haie-Fans hat — obwohl sie längst verschwunden ist.

Markus Krücken
Über den AutorMarkus Krücken

Markus Krücken ist Chefredakteur von Kölnundmehr.de und berichtet über Stadtpolitik, Wirtschaft und gesellschaftliche Entwicklungen in Köln. Er verfügt über langjährige Erfahrung im lokalen Journalismus und legt besonderen Wert auf unabhängige Recherche und bürgernahe Berichterstattung.