Köln/Frankfurt am Main | In einer schwierigen Zeit am Geißbockheim erlebte er innerhalb von nur einer Saison einer Achterbahnfahrt der Gefühle.
Björn Schlicke (heute 45) kam 2005 vom HSV als Neuzugang nach Köln, war schnell der Kapitän – und wurde nach einem Trainerwechsel und 15 Einsätzen (drei Tore, eines im Derby gegen Gladbach) dennoch von Coach Hanspeter Latour „rasiert“.
Der FC stieg anschließend ab.
Der frühere Innenverteidiger meisterte nach der aktiven Ende seinen Weg in der Branche, arbeitet heute beim DFB als Senior Manager Player’s Pathway im Geschäftsbereich Nationalmannschaften & Akademie als Karriereberater für Talente.
Wie es dazu kam und was ihm wichtig ist, erklärt Schlicke im Interview!
Mit welchen Maßnahmen unterstützt Player’s Pathway Fußballtalente genau?
BJÖRN SCHLICKE Mit Player’s Pathway begleiten wir aktive und ehemalige Profispielerinnen und Profispieler dabei, eine Perspektive für die Zeit nach ihrer aktiven Karriere zu entwickeln. Dabei beginnen wir beim Menschen: Welche Stärken bringe ich mit? Was interessiert mich? Und welche berufliche Rolle passt zu meiner Persönlichkeit?
Darauf bauen persönliche Gespräche, Workshops und der Austausch mit Fachleuten auf. Ein wichtiger Bestandteil sind außerdem Klubbesuche in Deutschland und im Ausland. Im vergangenen Jahr waren wir beispielsweise bei Manchester City und beim FC Bayern München.

Dort bearbeiten wir die verschiedenen beruflichen Rollen und Kompetenzprofile direkt vor Ort und sprechen mit den Menschen, die diese Aufgaben täglich ausüben. So bekommen die Teilnehmenden ein konkretes Bild davon, welche Anforderungen beispielsweise mit der Leitung einer Akademie oder einer Führungsaufgabe im Profifußball verbunden sind.
Diese Einblicke helfen ihnen, die eigenen Stärken mit den Anforderungen abzugleichen und passende nächste Schritte zu entwickeln. Denn eine erfolgreiche Spielerkarriere ist eine wertvolle Grundlage – für eine neue Aufgabe braucht es aber auch neue Fähigkeiten.
Warum haben Sie sich für diese Rolle entschieden und sind aktuell nicht Trainer, Sportdirektor, Spielerberater oder TV-Experte?
Weil mich besonders die Frage interessiert, wie Menschen im Fußball ihre Erfahrungen weiter nutzen und sich entwickeln können. Nach 16 Jahren als Profispieler habe ich selbst verschiedene Perspektiven kennengelernt – im Scouting, in der Akademiearbeit und als Sportdirektor. Dabei habe ich erlebt, wie unterschiedlich die Anforderungen sind, sobald man den Platz verlässt.
In meiner heutigen Rolle kann ich diese Erfahrungen zusammenbringen und anderen bei ihrer Orientierung helfen. Mich reizt es, gemeinsam mit ihnen herauszufinden, wo ihre Stärken liegen und welche Aufgabe wirklich zu ihnen passt. Diese Verbindung aus Fußball, persönlicher Entwicklung und dem Aufbau beruflicher Perspektiven ist das, was mich an der Aufgabe besonders anspricht.
Wie stehen Sie grundsätzlich zu Spielerberatern? Sollte ein Talent einen solchen haben?
Ich würde die Frage weniger daran festmachen, ob jemand einen Berater hat, sondern daran, welche Qualität diese Begleitung besitzt. Ein guter Berater kann sehr wertvoll sein: Er kann Entscheidungen einordnen, Interessen vertreten und einem Spieler auch einmal ehrlich sagen, dass ein vermeintlich attraktiver Schritt noch zu früh kommt.
Bei jungen Talenten sollten die persönliche und sportliche Entwicklung im Mittelpunkt stehen. Entscheidend ist nicht allein der nächste Vertrag, sondern auch: Wo bekomme ich Spielzeit? Welcher Trainer, welches Spielsystem und welches Umfeld passen zu mir? Und wie werden Schule, Ausbildung und Familie berücksichtigt?
Ein Talent braucht deshalb nicht automatisch möglichst früh einen Berater. Es braucht verlässliche Menschen, die seine Interessen im Blick haben. Wenn ein Berater dazugehört, sollte er transparent arbeiten und die Eigenständigkeit des Spielers stärken. Gute Beratung hilft einem jungen Menschen, Entscheidungen besser zu verstehen und selbst Verantwortung zu übernehmen.
Was möchten Sie aus Ihrem persönlichen Erfahrungsschatz als Spieler weitergeben?
Vor allem, dass eine Fußballkarriere selten geradlinig verläuft. Es gibt erfolgreiche Phasen, aber auch Rückschläge, Trainerwechsel und Situationen, in denen man sich neu beweisen muss. Deshalb würde ich jungen Spielern mitgeben: Arbeitet konsequent an dem, was ihr selbst beeinflussen könnt – an eurer Leistung, eurer Haltung und eurem Umgang mit anderen.
Gleichzeitig sollte man bereit sein, zuzuhören, Fragen zu stellen und Unterstützung anzunehmen. Selbstvertrauen ist wichtig, eine ehrliche Einschätzung der eigenen Stärken und Entwicklungsfelder genauso.
Für mich ist auch ein gesundes Verhältnis zwischen körperlicher und geistiger Beanspruchung wichtig. Sich neben dem Training geistig zu fordern, neue Dinge zu lernen oder eigene Interessen zu verfolgen, empfinde ich als leistungsfördernd. Entscheidend ist, eine Balance zu finden, die zur eigenen Situation passt und genügend Raum für Erholung lässt.
Deshalb möchte ich Spieler auch dafür sensibilisieren, sich frühzeitig mit der Zeit nach der aktiven Karriere zu beschäftigen. Das lässt sich mit voller sportlicher Ambition verbinden. Es gibt Orientierung und die Chance, die eigenen Interessen und Fähigkeiten über das Spielfeld hinaus kennenzulernen.
War das Jahr in Köln das härteste Ihrer Fußballzeit? Hat es Sie geprägt und wie denken Sie heute darüber?
Ob es das härteste Jahr meiner gesamten Karriere war, lässt sich für mich schwer in eine Rangfolge bringen. Sportlich war es auf jeden Fall eine schwierige Zeit. Eigene Tore oder die Verantwortung als Kapitän können einem persönlich etwas bedeuten – wenn der Erfolg der Mannschaft ausbleibt, steht die Enttäuschung trotzdem im Vordergrund.
Was mich damals besonders getroffen hat, war das Gefühl, nicht mehr gebraucht zu werden oder nicht mehr zu einer Gruppe gehören zu dürfen, der ich so gerne helfen wollte, ihre Ziele zu erreichen. Das ging für mich weit über die sportliche Enttäuschung hinaus. Es betraf auch mein Selbstverständnis als Mannschaftsspieler und als Mensch.
So schmerzhaft diese Erfahrung damals war, hat sie mich persönlich enorm wachsen lassen. Sie hat mir gezeigt, wie viel Zugehörigkeit, Vertrauen und Wertschätzung bedeuten – gerade in schwierigen Phasen.
Heute sehe ich die Zeit in Köln deshalb differenziert. Die Enttäuschung gehört dazu, aber ebenso die persönliche Entwicklung, die daraus entstanden ist. Diese Erfahrung prägt auch meinen heutigen Blick auf die Begleitung von Spielern und auf den Umgang mit Menschen im Fußball.
Stehen Sie in direktem Austausch mit Jürgen Klopp?
Nein, in einem regelmäßigen direkten Austausch stehen wir nicht. Wir kennen uns aber schon sehr lange und haben uns bei Begegnungen immer wieder über unsere gemeinsame Vergangenheit unterhalten.
Tatsächlich habe ich mein Profidebüt für die SpVgg Greuther Fürth gegen Mainz gefeiert – mit Jürgen als direktem Gegenspieler. Für mich war es das erste Profispiel, für ihn leider sein letztes. Das ist eine besondere Verbindung. Dass dieses für mich ohnehin unvergessliche Spiel heute immer wieder in Dokumentationen über seine Trainerkarriere auftaucht, ist schon ein schönes und etwas ungewöhnliches Gefühl.
Bei unserem letzten Gespräch habe ich ihm und seinem Team viel Erfolg für seine neue Aufgabe gewünscht. Darüber hinaus gibt es keinen laufenden Austausch. Aber es ist immer wieder schön, wenn wir uns sehen.











