Am Sonntag, 4. Oktober 2026, war Köln eine Stadt im Laufschritt. Beim 28. Generali Köln Marathon waren mehr als 41.000 Menschen in den verschiedenen Wettbewerben unterwegs. Die Stimmung an der Strecke war ausgelassen, das Wetter sonnig, und tausende Zuschauer feuerten die Läuferinnen und Läufer an.
Der Halbmarathon startete am Morgen in Köln-Deutz. Die 21,1 Kilometer führten durch mehrere Stadtteile bis zum Ziel auf der Komödienstraße am Dom.
Für Muath Othmann ging es dabei nicht um eine Spitzenzeit. Für ihn ging es ums Ankommen.
Mit 55 Jahren und kaum Training
Der 55-Jährige hatte nach eigener Einschätzung kaum trainiert. Trotzdem stellte er sich der Herausforderung und nahm den Halbmarathon in Angriff.
„Ich wusste, dass es schwer werden würde, weil ich kaum trainiert hatte. Aber ich wollte unbedingt laufend ins Ziel“, sagt Muath.
Kilometer für Kilometer kam er voran. Er lief durch die Straßen, vorbei an den Zuschauern und weiter in Richtung Innenstadt. Der Lauf war anstrengend, aber zunächst schien sein Plan aufzugehen.
Am Neumarkt werden die Beine schwer
Am Neumarkt änderte sich die Situation. Muath bekam Krämpfe in beiden Beinen. Er hatte kein Magnesium dabei. Aus dem gleichmäßigen Lauf wurde ein Kampf um jeden einzelnen Schritt.
„Am Neumarkt haben beide Beine zugemacht. Plötzlich musste ich mich auf jeden Meter konzentrieren“, erzählt er.
Aufgeben wollte er trotzdem nicht. Muath wollte unbedingt weiterlaufen und ins Ziel kommen – auch wenn sein Körper ihm inzwischen deutliche Grenzen setzte.
Eine unbekannte Frau feuert ihn an
Am Streckenrand bemerkte eine Frau, wie sehr sich der Läufer quälte. Sie feuerte ihn an und gab ihm neuen Mut. Für Muath wurde dieser kurze Moment zu einer wichtigen Hilfe.
„Ich weiß nicht, wer diese Frau war. Aber sie hat mich genau im richtigen Moment angefeuert. Das hat mir sehr geholfen“, sagt er.
Von da an ging es nicht mehr schnell und nicht mehr elegant. Muath humpelte weiter. Aber er blieb auf der Strecke.
Während an der Spitze des Rennens neue Halbmarathon-Streckenrekorde aufgestellt wurden, schrieb Muath seine ganz eigene Erfolgsgeschichte.

Nach 2:17 Stunden ist es geschafft
Nach zwei Stunden und 17 Minuten erreichte Muath das Ziel. Die Zeit war für ihn dabei weniger wichtig als die Tatsache, dass er nicht aufgegeben hatte.
„Ich bin am Ende gehumpelt, aber ich bin angekommen. Und es war so schön“, sagt Muath.
Sein persönlicher Erfolg lässt sich nicht nur an der Stoppuhr ablesen. Er hat eine Strecke geschafft, für die ihm eigentlich die Vorbereitung fehlte. Er hat seinen Körper an eine Grenze gebracht und sich trotzdem bis ins Ziel gekämpft.
Nächstes Jahr wieder in Köln?
Lange überlegen muss Muath offenbar nicht. Sein nächstes Ziel steht bereits fest: Er möchte sich direkt für den Köln Marathon im kommenden Jahr anmelden. Vielleicht will er sogar noch in diesem Jahr bei weiteren Halbmarathons starten.
„Nächstes Jahr bin ich wieder dabei. Und vielleicht mache ich vorher noch weitere Halbmarathons“, sagt er.
Für Muath Othmann war der Köln Marathon kein Kampf gegen die Uhr. Es war ein Kampf gegen den Moment, in dem die Beine nicht mehr wollten. Am Ende blieb vor allem die Freude über das Wichtigste: Er ist angekommen.










