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REPORTAGE 99 Jahre Hans Schäfer: „De Knoll“ – der Mann, der den FC unsterblich machte

Hans Schäfer hält die Meisterschale hoch

„Schäfer nach innen geflankt“ – vier Worte, die deutsche Fußballgeschichte schrieben. Hans Schäfer war Weltmeister, Torjäger, Kapitän und das Gesicht der ersten großen Ära des 1. FC Köln. Heute, am 19. Oktober 2026, wäre der legendäre „De Knoll“ 99 Jahre alt geworden. Eine Erinnerung an einen Kölner, der die Welt eroberte und seinem FC ein Leben lang treu blieb.

Es gibt Fußballer, die Titel gewinnen. Und es gibt Fußballer, die einen Verein verkörpern. Hans Schäfer gehörte zweifellos zur zweiten Kategorie. Als der 1. FC Köln 1948 gegründet wurde, war der junge Linksaußen bereits dabei. Als er 1965 seine Karriere beendete, hatte er mit seinem Heimatverein zwei deutsche Meisterschaften gewonnen und war längst zu einer lebenden Legende geworden.

„De Knoll“: Ein Dickkopf aus Köln-Zollstock

Am 19. Oktober 1927 wurde Johann „Hans“ Schäfer in Köln geboren. Aufgewachsen in Zollstock als Sohn eines Friseurs, entdeckte er früh seine Leidenschaft für den Fußball. Über die SpVgg Sülz 07 kam er 1948 zum neu gegründeten 1. FC Köln.

Sein Spitzname war Programm: „De Knoll“, kölsch für einen Dickkopf oder sturen Bock. Und tatsächlich ließ sich Schäfer auf dem Platz nur ungern etwas sagen. Er war schnell, trickreich, schussstark und besaß einen außergewöhnlichen Torinstinkt.

17 Jahre lang spielte er für den FC. Seine Bilanz: 711 Spiele und 501 Tore, einschließlich Freundschaftsspielen. Zahlen aus einer anderen Fußballwelt, die bis heute beeindrucken.

„Schäfer nach innen geflankt“: Der Kölner beim Wunder von Bern

Seinen berühmtesten Moment erlebte Hans Schäfer am 4. Juli 1954. Im WM-Finale von Bern lag Deutschland gegen die haushoch favorisierten Ungarn zunächst mit 0:2 zurück. Doch die Mannschaft von Sepp Herberger kämpfte sich zurück.

In der 84. Minute kam Schäfer über die linke Seite. Seine Hereingabe leitete jenen Angriff ein, den Helmut Rahn mit dem entscheidenden Treffer zum 3:2 abschloss.

Herbert Zimmermanns legendärer Radiokommentar machte den Kölner endgültig unsterblich: „Schäfer nach innen geflankt.“

Deutschland war Weltmeister. Und mittendrin stand ein Junge aus Zollstock, der seinen Anteil an einem der größten Momente der deutschen Sportgeschichte hatte.

Insgesamt bestritt Schäfer 39 Länderspiele, erzielte 15 Tore und nahm an drei Weltmeisterschaften  teil: 1954, 1958 und 1962. Bei seiner letzten WM führte er die deutsche Mannschaft als Kapitän aufs Feld.

Zweimal Meister: Als Hans Schäfer den FC an die Spitze führte

Doch so groß der Triumph von Bern auch war: Sein fußballerisches Herz gehörte dem 1. FC Köln.

1962 führte Schäfer die Mannschaft als Kapitän zur ersten deutschen Meisterschaft der Vereinsgeschichte. Im Finale wurde der 1. FC Nürnberg mit 4:0 bewungen.

Zwei Jahre später folgte der nächste historische Triumph. In der Saison 1963/64 gewann der FC die erste Meisterschaft der neu gegründeten Bundesliga. Unter Trainer Georg Knöpfle dominierte die Mannschaft die Konkurrenz. Kapitän Hans Schäfer war ihr erfahrener Kopf.

Dazwischen, 1963, wurde er zu Deutschlands Fußballer des Jahres gewählt. Da war „De Knoll“ bereits 35 Jahre alt – und immer noch einer der besten Fußballer des Landes.

Choreo zu Ehren von Hans Schäfer

Mehr als eine Legende: Hans Schäfer war der FC

1965 beendete Schäfer seine aktive Laufbahn. Seinem Verein blieb er auch danach verbunden, unter anderem als Trainerassistent und Mannschaftsbetreuer. Als der FC 1968 den DFB-Pokal gewann, gehörte er zum Betreuerstab.

Trotz Weltmeistertitel, Meisterschaften und persönlicher Auszeichnungen blieb Schäfer ein bodenständiger Kölner. Er suchte nicht das große Rampenlicht, sondern lebte zurückgezogen in seiner Heimatstadt.

Am 7. November 2017 starb Hans Schäfer im Alter von 90 Jahren. Mit ihm verlor Köln einen seiner größten Sportler und der deutsche Fußball einen seiner letzten Helden von Bern.

Sein Name aber lebt weiter. Die Hans-Schäfer-Südkurve im RheinEnergieSTADION erinnert an den Weltmeister und langjährigen FC-Kapitän. Dort, wo die treuesten Anhänger ihren Verein anfeuern, ist „De Knoll“ bis heute gegenwärtig.

Und vielleicht sagt das mehr über seinen Legendenstatus aus als jede Statistik: Andere Spieler kommen und gehen, werden gefeiert und irgendwann vergessen. Hans Schäfer aber gehört zum 1. FC Köln wie der Geißbock zum Vereinswappen.

Heute wäre „De Knoll“ 99 Jahre alt geworden. Seine Tore sind Geschichte, seine Titel bleiben – und sein Name ist in Köln unsterblich.

Quellen

Peter Schwegmann
Über den AutorPeter Schwegmann

Peter Schwegmann ist seit Jahren in Köln eng vernetzt und kennt die Stadt und ihre Menschen aus erster Hand. Für koelnundmehr.de berichtet er über lokale Politik, Stadtentwicklung, Kultur und gesellschaftliche Themen in Köln und der Region. Als ausgewiesener Kenner des Kölner Vereinslebens und Karnevals recherchiert er vor Ort und arbeitet quellenbasiert.