Tünnes und Schäl kennt jeder Kölner. Wenig bekannt ist jedoch der Ursprung der beiden Charaktere: Entstanden sind sie im vorherigen Jahrhundert im Hänneschentheater. Zu den beiden Ur-Kölnern gibt es nahezu unzählige Witze und Verzällcher und jedes Jahr kommen weitere hinzu. Tünnes ist der bäuerlich-deftige Kerl. Schäl ist der hinterhältig-listige Vertreter kölner Männlichkeiten. Beide verkörpern das, was hunderttausenden von Kölnern von Geburt an ins Blut gelegt worden ist und noch wird: Kölsche Eigenarten, für Nichtkölner mitunter schwer verständlich, weil so manche Eigenart als Unart verstanden wird. Völlig zu Unrecht.
Tünnes, der lustige Fuss mit Knollennase

„Dat is ne Tünnes!“
Schäl, der feine Lebemann
Schäl gibt sich ganz als feiner Lebemann im guten Anzug und mit Hut. Doch die vornehme Kleidung kann nicht verbergen, dass er eher „halbseiden“, d.h. ein kleiner Gauner ist. Sein Name bedeutet „schielend“. Und wirklich stehen seine Augen entsetzlich überkreuz.
Jeder Kölner denkt bei diesem Wort aber auch gleich noch an etwas anderes, nämlich daran, dass das rechte Rheinufer als „schäl Sick“, also „schielende Seite“ bezeichnet wird. Gerne wird heute behauptet, dieser Name rühre daher, dass die Deutzer immer neidisch vom anderen Ufer auf das schöne Altstadtpanorama „herüberschauen“. Wahrscheinlicher ist es aber wohl, dass der Name aus dem Mittelalter stammt. Damals wurden die Schiffe von Pferden den Rhein hinaufgezogen. Diese Treidelpferde trugen Scheuklappen, und da sagten die reichen Kölner gerne: „Wenn die die andere Rheinseite sehen wollten, dann müssten sie ja (an den Scheuklappen vorbei) schielen können.“ Damit zeigte man deutlich, was man vom rechten Ufer, wo es vor allem kleinere Fischerdörfer gab, hielt: nämlich gar nichts. So ist es nicht weiter verwunderlich, dass auch erst Ende des vorigen Jahrhunderts rechtsrheinisch eingemeindet wurde. Als erster Ort kam 1888 Deutz zu Köln. Bis dahin hatte sich die Stadt nur auf dem linken Ufer erstreckt, und schon in der Römerzeit war die andere Seite „Feindesland“ gewesen.















